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Hat der Blick in die NS-Vergangenheit eines Gymnasiums heute noch Bedeutung? Etwa für die Diskussion zum 8. Mai? Zum neu ausgerufenen Nationalbewusstsein? „Neue Leitkultur“? Wertediskussion in einer „Neue-Mitte-Gesellschaft“? Rassismus? Antisemitismus?
Wie ist die Funktion einer Steglitz-Zehlendorfer Oberschule in der NS-Zeit zu sehen und zu beurteilen?
Die Kontroverse über die Haltung einzelner Schulen in der NS-Zeit, zugleich auch das politisch-historische Verständnis der jeweils Urteilenden in ihrer Zeit spiegeln sich in Festreden und Festschriften. Dabei dominieren - besonders bei Vertretern des heutigen Bildungsbürgertums - auch heute noch nachsichtig exkulpierende Charakterisierungen:
Schulleiter, Kollegien, Schulklientel, gesellschaftliches Umfeld werden oft allenfalls als „nationalkonservativ“ oder „deutschnational“ eingestuft.
Sprachrohr und politischer Handlungsträger der „Nationalkonservativen“ oder der „Deutschnationalen“ war aber u.a. die DNVP, die sich seit 1928 (Hugenberg, „Harzburger Front“, „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot“) trotz aller partei- und personalpolitischer Rivalitäten programmatisch und personell immer stärker mit der NSDAP identifizierte und 1933 schließlich in die NSDAP aufging.
Dieser verharmlosende Tenor, der schon nach 1945 in den Entnazifizierungsverfahren allgemein üblich war - man hat sich distanziert verhalten, jedenfalls hat man nicht mitgemacht, schon gar nicht seine „Würde verloren“ … - findet sich noch heute in Festtagsreden wieder.
Z.B. in einer Jubiläumsrede Prof. Dr. Christoph Stölzls über das Zehlendorfer Bürgertum um 1933.1)
Historische Forschungen, Hinweise in der Homepage des heutigen Bezirks Steglitz-Zehlendorf, die Dokumentationsausstellung im Heimatmuseum Zehlendorf oder auch die hier gesammelten Fakten sprechen jedenfalls eine andere Sprache.
Nicht uneingeschränkt haltbar ist auch Stölzls Einschätzung eines damaligen Schulleiters:
„… hat seine Abschiedsrede nicht mit ‚Heil Hitler’ beendet, sondern mit ‚Das walte Gott’. Der Mann hatte offensichtlich seine Werte, und er widerstand dem Zeitgeist.“2)
Viele Amtsinhaber haben auch in der NS-Zeit ihre Festreden nicht mit „Heil Hitler“, sondern mit den üblichen religiösen Formeln beendet.
Schließlich hat sich auch Hitler nicht selten auf das Wirken außerirdischer Kräfte berufen.
Historischer Kontext und Schuldokumente lassen den von Stölzl behaupteten Widerstandsgeist weniger glaubwürdig erscheinen.
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