Heute nur noch Geschichte?
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„… zähe, gründlich und zielbewusst …“
Trotz der vielen außerunterrichtlichen Veranstaltungen ist der Schulalltag auch in der NS-Zeit vornehmlich durch den Fachunterricht bestimmt, dessen Inhalte in der Regel nur über zu beachtende Richtlinien, allgemeine Erklärungen, Themen, Lektüren, Klassen- und Abituraufgaben erschlossen werden können.
Schülerarbeiten haben hierbei aber einen nur begrenzten Aussagewert.
Unterrichtlich ausgelöste Konflikte sind nicht erkennbar.
Die in den „Richtlinien des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in Preußen für die Geschichtslehrbücher vom 20. Juli 1933“ enthaltenen Vorgaben wurden offensichtlich schnell, intensiv und widerstandslos umgesetzt:
| „Von der Vorzeit … bis zur Gegenwart muss die Bedeutung der Rasse gebührend berücksichtigt werden, da sie den Urboden darstellt, aus dem alle wurzelhafte Eigenart der Einzelpersönlichkeit sowohl wie der Völker erwächst. Ein weiterer Gesichtspunkt ist der völkische Gedanke im Gegensatz zum internationalen, dessen schleichendes Gift seit mehr als hundert Jahren gerade die deutsche Seele zu zerfressen drohte. Den Geschichtsunterricht muss der heldische Gedanke in seiner germanischen Ausprägung, verbunden mit dem Führergedanken unserer Zeit, … durchziehen.“1) |
Dass der Rassismus sich insbesondere im Biologieunterricht niederschlug, ist fast überall erkennbar, z.B.:
„Doch jetzt“, tönt es aus aller Munde,
„kommt Gott sei Dank die Rassenkunde.“
...
Da waren alle wir gescheit:
Bei ostisch ist der Schädel breit,
der nordsche Mensch ist hoch gebaut,
der ostische hat gelblich-braune Haut.
...
Wir kannten alle hies’gen Rassen,
Das muss uns selbst der Neider lassen.
...
Sie hat uns wunderbar gedrillt
Und ganz mit Wissen angefüllt ...“4)
| „In einer Stunde des Nationalpolitischen Unterrichts war den Schülerinnen die Aufgabe gestellt worden, niederzuschreiben, wie sie ihren Beruf wählen wollten, um dem Staat damit zu dienen. Ohne Ausnahme lautete die Antwort der Mädel, dass sie alle bald heiraten wollten, um ihre Kinder im nationalsozialistischen Sinne zu erziehen. Diese Lösung wurde jedoch nicht anerkannt, und der Aufsatz wurde noch einmal geschrieben.“5) |
Auf den Scheiterhaufen vernichtete Literatur wird ab 1933 nicht mehr genannt.
Statt dessen werden deutschnationale, rassistisch orientierte, militaristische Themenkreise und Schriften der Schullektüre verstärkt hinzugefügt, z.B.:
Hört ihr die Trommel schlagen?
Sie ruft euch allzumal!
Vorbei das bange Zagen,
Hell braust’s von Tal zu Tal.
Wir sind die Hitlerjugend
Und helfen euch befrei’n,
Wir stehn mit unserm jungen Blut
Für Volk und Heimat ein.
Wir kennen keine Klassen,
Nur Deutsche treu geschart,
Der Weltfeind, den wir hassen,
Ist nicht von deutscher Art. …
Tritt ein in unsre Reihen!
Was säumst du, Kamerad?
Alldeutschland sich zu weihen,
Ist keiner je zu schad.
Herr Gott, steh dem Führer bei,
dass sein Werk das Deine sei,
dass Dein Werk das seine sei.
Herrgott steh dem Führer bei.
Herrgott, steh uns allen bei,
dass sein Werk das Unsre sei,
dass unser Werk das seine sei.
Herrgott, steh uns allen bei.
Die intendierten Ziele dieses Unterrichts sind auch den Lernzielkontrollen zu entnehmen, also den Aufsatzthemen und Abituraufgaben.
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