Heute nur noch Geschichte?
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Das Gymnasium Steglitz hebt heute hervor:
„Das Gymnasium Steglitz ist eine traditionsreiche Schule mit einem besonderen pädagogischen Anspruch. Die alten Sprachen Griechisch und Latein prägen seit mehr als einhundert Jahren das Profil und den besonderen Charakter dieser Schule …“1)
Zur Tradition dieser Schule gehören auch folgende Fakten:
Im damaligen Gymnasium Steglitz war Fritz Sommer als Schulleiter in besonderer Weise für Ausrichtung und Klima seiner Schule verantwortlich. Er leitete die Schule von 1931 bis 1945 ununterbrochen. Die Schuldokumente belegen seine persönliche und dienstliche Einstellung gegenüber dem nationalsozialistischen Staat.
Schwer erklärbar, dass diese Dokumente keinen Niederschlag in der Homepage gefunden haben.
„... 30. Januar 1933: Deutschland erwacht ...“
1936 gibt Sommer detailliert Auskunft über den Schulalltag seit 1933, zugleich auch über seine eigenen politischen Vorstellungen:
„Als am 30. Januar 1933 der greise Feldmarschall von Hindenburg dem jugendlichen nationalsozialistischen Führer Adolf Hitler die Hand zum Bunde reichte, war Deutschland erwacht und geeint.
Das war der Tag, an dem wir an unserer Schule die ruhmbedeckte Fahne Schwarz-Weiß-Rot aus ihrem Versteck hervorholten, um sie in brüderlicher Gemeinschaft mit dem Symbol der nationalsozialistischen Bewegung, dem Hakenkreuzbanner, stolz zu zeigen. Festtage und Weihefeiern brachte uns das erste Jahr nationalsozialistischer Staatsführung in reicher Fülle
Es war das feierliche Bewusstwerden nationalsozialistischer Lebensformen und Lebensinhalte, in die wir uns mit unseren Schülern hineinlebten, bis sie alle bis zum Letzten ihrer inne wurden.
Der Tag von Potsdam, am 21. März 1933, verband uns zum ersten Male in der Aula unmittelbar durch Rundfunkgemeinschaftsempfang mit dem großen Ereignis an historischer Stätte; der 1. Mai ließ uns in derselben
Weise teilnehmen an Hitlers Worten zu den schaffenden deutschen Menschen ...
Mit ganz anderen Gefühlen erlebten wir den Tag
von Versailles; mit der inneren Glut unserer Herzen feierten wir den Heldentod Albert Leo Schlageters.“
Schlageter war Freikorpskämpfer; seit 1922 in der NSDAP; Sabotageakte im Ruhrkampf gegen Frankreich; 1923 durch franz. Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet, galt für die NSDAP als Märtyrer. Für Schlageter wurden an den Oberschulen aufwändige Gedenkfeiern durchgeführt, auch an den Mädchenschulen.
„Immer wieder rief uns die Regierung in diesem Jahre der Wiedergeburt zu Gedenk- und Feierstunden auf ... Wir fühlten die schöpferischen und gestaltenden Kräfte der neuen Staatsführung auch in allen schulischen Erlassen, die ... die Offenbarung der nationalsozialistischen Idee
waren.
Wir ehrten die Toten und Wegbereiter nationalsozialistischen Freiheitskampfes wie die Helden des Weltkrieges, wir erneuerten mit Deutschem Gruß und feierlicher Flaggenhissung immer wieder unseren Schwur der Treue zu Führer und Vaterland.
Hitlerjugend und Jungvolk wetteiferten miteinander in der Betätigung ihrer Liebe zum Führer dieser stolzen völkischen Erneuerung; sie selbst gestalteten Gemeinschaftsfeiern in unserer Aula, um … die Größe ihres Wollens ... zum Bewusstsein zu bringen.
Unsere Primaner taten mit derselben Begeisterung Dienst in der SA und SS.
Schulkonzerte und Schulaufführungen standen im Zeichen der neuen Zeit ...
Heute ist die deutsche Volksgemeinschaft, für die Adolf Hitler mit seinen Getreuen gekämpft, gelitten und geblutet hat, zum Ereignis geworden
Das Deutsche Reich ist unter dem Hakenkreuzbanner wieder auf dem Wege zu neuer Macht und Größe.
Das Steglitzer Gymnasium ist nur ein kleiner Teil in dem großen Organismus völkischer Schaffenskraft und völkischen Arbeitswillens, aber es hat sich in der Vergangenheit von niemand übertreffen lassen in seinem starken Willen zu vaterländischem Tun. Darum wird es sich auch in der neuen Zeit bewähren, weil es sich bewähren will.
Gott gebe allen Gliedern dieser Schule die Kraft, mitzuhelfen an der Erreichung des hohen Zieles unseres großen Führers und, wenn es sein muss, auch zu sterben für ein einiges, starkes, in der ganzen Welt geachtetes deutsches Vaterland!“5)
1961: „In all diesen Umwälzungen (1933ff) verlief das innere Leben der Schule freilich weithin auf gebahnten Wegen …
Vertraute Gewohnheiten wurden beibehalten, wie … Sommerfest, festliche Aufführungen und Konzerte, Wanderfahrten und Landheimaufenthalte. Ein Gipfelpunkt war … die dreitägige Feier zum 50. Jubiläum der Schule. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass auch im Kreis dieser festlichen Schulveranstaltungen neue Formen auftraten ..., die alle den Zweck hatten, eine dem Regime gegenüber positive Hochstimmung zu erzeugen, die es erlaubte, alle Kräfte der Jungen aufs äußerste einzuspannen.“ 8)
| Der „allgemeine Zusammenbruch materieller und sittlicher Werte“ wird für das Jahr 1945 – nicht etwa für 1933 – konstatiert! |
1986 erfolgt postum die Ehrenrettung Sommers:
„Seiner energischen, von seiner pädagogischen Aufgabe zutiefst erfüllten Persönlichkeit war es bestimmt, die Schule durch die schwierigsten Zeiten ihrer Geschichte zu führen …
So war auch die Haltung nach 1933 abwartend und von dem Bemühen um sachliche Weiterarbeit bestimmt ... Auch Sommer war einer der wenigen Gymnasialdirektoren, die nicht in die Partei eintraten.“
Auf die Parteimitgliedschaft konnte Sommer - aus welchen Gründen auch immer - verzichten. In seinem Denken und Handeln hat sich Sommer aber wohl kaum von NSDAP-Direktoren unterschieden. Vermutlich spielte die fehlende Parteimitgliedschaft in seinem immerhin dreijährigen Entnazifizierungsverfahren eine für ihn günstige Rolle.
„Fritz Sommer wurde am 1. September 1945 in Verkennung seiner Tätigkeit in der Nazizeit als Studienrat versetzt. Erst nach drei Jahren konnte er infolge einer gerechteren Würdigung seiner Leistung wieder die Leitung seines Gymnasiums übernehmen.“9)
Dass die alten Kader in der Nachkriegszeit sehr schnell rehabilitiert wurden und - wie Sommer - besonders auch im Schulwesen wieder ihre alten Positionen besetzen konnten, ist bekannt - vgl. dazu z.B. die Arbeiten von Inge Deutschkron und Ralph Giordano. Ungewöhnlich ist, dass eine so undifferenzierte Rehabilitierung noch im Jahre 1986 in der Festschrift eines berühmten Gymnasiums zu finden ist.
Ein Foto zeigt Fritz Sommer: Schulleiter von 1931 bis 195610), also ohne Unterbrechung! Einzelheiten zur politischen Haltung und amtlichen Tätigkeit Sommers vor 1945 werden noch 1986 verschwiegen resp. umgedeutet.
Amtsenthebung und dreijähriges Entnazifizierungsverfahren werden als ungerechtfertigt dargestellt.
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