Heute nur noch Geschichte?
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„Schulgeschichte als Gesellschaftsgeschichte“
| Geradezu grotesk wirkt das Geschichtsverständnis eines Gymnasiums mit einem zeitgeschichtsträchtigen Namen, wenn es seine Schulgeschichte einzig mit dem Hinweis vorstellt: „Die Rosa-Luxemburg-Oberschule wurde 1907 gegründet und hat seitdem eine sehr wechselvolle Geschichte durchlebt ...“2) |
Andererseits gibt es aber auch sehr detaillierte, umfangreiche Beschreibungen der Schulgeschichte. Dabei wird auch die NS-Zeit der Schule nicht ausgespart, sondern mit Hilfe der Schularchive differenziert und geschichtsehrlich dargestellt – vergleichbar mit dem Arndt-Gymnasium3) in Steglitz-Zehlendorf.
Diese Darstellungen können tatsächlich einen Impuls geben, „Schulgeschichte als Gesellschaftsgeschichte“4) zu begreifen und zu erforschen, zumal hierbei auch der zeitgeschichtliche Kontext einbezogen wurde.
Dies gilt für:
Die in den Darstellungen dieser Gymnasien genannten Fakten bestätigen den für Steglitz-Zehlendorf ermittelten Befund (→ Resümee) vollauf.
Dieser Befund für die NS-Zeit ist also nahezu uneingeschränkt auf die damaligen Oberschulen in Berlin übertragbar.
| Für viele andere Gymnasien dieser Bezirke ergibt sich ein Eindruck, wie er im Resümee für die geschichtliche Selbstdarstellung der Gymnasien in Steglitz-Zehlendorf formuliert wurde. Es scheint sich – zumindest in Berlin – um ein stilles, dem alt-neuen Zeitgeist entgegen kommendes Einverständnis zu handeln. |
Die Homepages sind in der Regel sorgfältig und phantasievoll ausgestaltet. Sie enthalten viele Details. Die Schulen wollen ihre Homepage als Informationsmedium nutzbar machen, auch für die jeweils eigene Schulgemeinde.
Der Versuch, die Homepage als schulgeschichtlich informierende Quelle zu präsentieren, ist – von den oben genannten Ausnahmen abgesehen – gründlich misslungen.
Jedenfalls, wenn es um die NS-Zeit geht.
M. Bernhardt schreibt über die Festschrift des Friedrich-Engels-Gymnasiums von 1955:
„Nichts erfahren wir über … die totalitäre Einvernahme der Schule durch das NS-Regime, nichts über die Ideologisierung des Unterrichts. Trauer oder wenigstens Anteilnahme wird man vergeblich suchen.“11)
Das gilt heute auch für die meisten Homepages Berliner Gymnasien.
Eher der in einer Steglitzer Festschrift behauptete Tenor: „So hat unsere Schule auch in der Hitlerzeit ihre Würde nicht verloren.“ (→ Die NS-Zeit der Schulen im Rückblick)
Der ehemalige Schulsenator hat die Schulen energisch zur aufwändigen Erarbeitung und Darstellung der Schulprofile verpflichtet, sich aber offensichtlich um die hier thematisierte Problematik nicht gekümmert.
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